Brexit

Brexit: 10 Jahre nach dem Referendum Aktuelle Lage im Zoll und Warenverkehr

30.06.2026

10 Jahre ist es schon her, dass die britische Bevölkerung in einem Referendum gefragt wurde, ob sie für einen Austritt der EU ist. Das Resultat: Eine knappe Mehrheit war dafür. Welche Auswirkungen der Austritt besonders im Warenverkehr haben würde, war jedoch kaum absehbar.

Anlässlich des 10. Jubiläums hat die Außenwirtschaftsagentur der Bundesrepublik Germany Trade & Invest (GTAI) am 23. Juni 2026 das Webinar „Ten years after Brexit – Wie geht es weiter?“ veranstaltet. Die wichtigsten Aspekte fassen wir für Sie zusammen.

Das Vereinigte Königreich (VK) bleibt weiterhin in den Top 10 der deutschen Handelspartner. Kurz vor dem Austritt aus der EU gehörte das VK im Ranking sogar auf Platz 5. Kurz nach dem Brexit rutschte das Land auf Platz 11 ab. Seit vergangenem Jahr geht es wieder leicht nach oben auf Platz 9.

Die bilateralen Beziehungen EU-VK und DE-VK haben sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Dazu beigetragen haben u.a. das Windsor Framework (März 2023) und der EU-VK-Gipfel in London (Mai 2025).

Erleichterung durch einheitliche SPS-Zone

Im Bereich Zoll & Warenverkehr standen vor allem tierische Erzeugnisse, genauer gesagt die sogenannten SPS-Waren, im Fokus. Ziel ist es, eine gemeinsame und einheitliche SPS-Zone zu schaffen. Damit verbunden sind spürbare Erleichterungen wie der mögliche Wegfall von Pflanzengesundheitszeugnissen, Veterinärbescheinigungen und Bescheinigungen für Bio-Produkte sowie insgesamt vereinfachte Kontrollen.

CBAM-Ausnahme in Sicht?

Ein weiterer wichtiger Punkt: CBAM. Derzeit gilt, dass Einfuhren aus dem VK dem CBAM unterliegen – umgekehrt ebenso. Mit Blick nach vorne steht eine mögliche Ausnahme im Raum, falls es zu einer Re-Integration in den EU-Emissionshandel (aus dem englischen EU-ETS) kommt.

Mehr Digitalisierung bei der Einfuhr

Nennenswert ist ebenso die Digitalisierung des Carnet ATA. Diese gilt seit diesem Monat für die EU, die Schweiz, das Vereinigte Königreich und Norwegen. Das Carnet ersetzt das traditionelle, papierbasierte Zollpassierscheinheft für die vorübergehende Einfuhr von Waren.

Weiterhin mit CE-Kennzeichnung

Beim Marktzugang in Großbritannien – England, Schottland und Wales – konnten zudem einige Unsicherheiten ausgeräumt werden. Die CE-Kennzeichnung bleibt, von wenigen Ausnahmen abgesehen, unbefristet. Noch offen ist, ob Medizinprodukte aus der EU mit CE-Kennzeichnung ebenfalls anerkannt werden, um hier pragmatische Lösungen zu ermöglichen. Positiv bleibt der Blick auf die Produktgruppe „Bauprodukte“, bei der weiterhin Optimismus hinsichtlich der Anerkennung besteht.

Überhaupt wird Optimismus großgeschrieben, was die Annäherung des VK an die EU angeht. In diesem Sinne: Nach einer YouGov-Umfrage im April 2026 sind 55% der Briten für einen Wiedereintritt in die EU, 63% befürworten eine engere Zusammenarbeit mit der EU. Ob sie wieder irgendwann in ferner Zukunft den Stern der EU-Flagge zurückerhalten, „steht in den Sternen“. Hierzu werden wir Sie weiterhin auf dem Laufenden halten!

Die Aufzeichnung des Webinars sowie die dazugehörige Präsentation stehen Ihnen auf der Website von GTAI zur Verfügung.

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